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Stereoskopie 
 
 

Einführung in die dreidimensionale Welt der Stereoskopie

von Bernhard Dewath, phg-Sektion Stereo

Im Sinne des eigenen Markenzeichens werden alle Publikationen in der alten Rechtschreibung verfaßt.

Stereoskopie ist die Bezeichnung für die real-räumliche Photographie und die diesbezügliche Wiedergabe, Betrachtung bzw. Präsentation der Bilder oder Filme.

Der Ausdruck "stereo" kommt aus dem Griechischen und bedeutet hier "räumlich" oder "körperhaft", "plastisch", während "scopeo" die visuelle Betrachtung meint. Die Stereoskopie wird häufig als Spezialgebiet oder Nischenbereich der Photographie bezeichnet, erlebt derzeit aber wieder einen Aufschwung, der nicht zuletzt der digitalen Bild-/Filmtechnik zu verdanken ist.

Durch die Stereoskopie wird es möglich, die ansonst normal flachen Bilder oder Filme dreidimensional, und damit naturnah eindrucksvoll zu bestaunen, was eine besondere Faszination ausübt. Man kann gewissermaßen mit den Augen im Bild umherwandern.

Die Räumlichkeit oder Plastizität wird wie beim natürlichen Sehen durch die beiden Augen vermittelt. Dabei ist es unerheblich, ob ein reales räumliches Objekt betrachtet wird, oder zwei stereoskopische Ansichten (Halbbilder oder Stereobildpaare) vorliegen, die mittels geeigneter Methoden den jeweils zugedachten Augen unabhängig voneinander präsentiert werden. Die räumliche Auswertung erfolgt im Gehirn des Betrachters durch die Fusion (Verschmelzung) der beiden Halbbilder.

 

Das erste Erfolgserlebnis

In diesem Abschnitt folgt eine Kurzanleitung, die es Einsteigern und Anfängern ermöglichen soll, rasch eigene Stereobilder zu erhalten. Dabei ist aber zu bedenken, daß hierbei nur allgemeine Standard-Situationen erfaßt werden können, die den beschriebenen Bedingungen entsprechen.

Hier soll nun gezeigt werden, mit welch einfachen Methoden wirkungsvolle Stereophotos mit üblichen, vorhandenen Mittel hergestellt werden können.

Die ersten eigenen Stereobilder – selbst gemacht!

Sie können jeden beliebigen Photoapparat verwenden, für den Anfang am besten eine Digitalkamera. Man benötigt ein Bildpaar, das im Augenabstand aufgenommen wird. Dazu wird die Kamera seitlich um ca. 6cm verschoben und die Bilder nacheinander photographiert. Das Objekt oder Motiv darf sich dabei nicht bewegen oder verändern und sollte mind. 3m entfernt sein.

Bewegte Szenerien können nur mit zwei Kameras gleichzeitig (synchron) photographiert werden, die in gleicher Höhe parallel nebeneinander montiert sind (Kameragespanne), oder man benutzt eine Stereokamera (zB. RBT, Belplasca, FED-Stereo, Fujifilm W1) mit 2 Objektiven.

Basisabstand

Beide Halbbilder müssen den gleichen Bildinhalt aufweisen, am besten achtet man schon beim Sucherdurchblick darauf. Es ist immer das gleiche Motivelement an die gleiche Stelle im Bildausschnitt zu positionieren, z.B. in die Bildfeldmitte, wo auch meist eine Markierung ist, oder auch an ein Bildfeldeck.

Die Basisverschiebung kann man für den Anfang auch nach Gefühl ermitteln, etwa durch die Verlagerung des Körpergewichtes vom linken auf das rechte Bein bei geschlossenem Stand, oder visuell durch die Beachtung der perspektivischen Verschiebung vom Vordergrund zum Hintergrund, wobei hierbei nicht übertrieben werden darf, sobald eine Verschiebung erkennbar ist genügt es meist schon.

Mit fortschreitender Erfahrung kann man auch mit Basis und Entfernung experimentieren.

Die Beziehung 3m Abstand zum Motiv-Nahpunkt - 6cm Basis sollte man sich einprägen, dies ist in vielen Situationen hilfreich, um Aufnahmebedingungen vor Ort abschätzen zu können. In der Nähe (z.B. bei Makro-Aufnahmen) muß die Basis verkleinert werden, und zwar genau in diesem Verhältnis. Umgekehrt kann der Basisabstand auch vergrößert werden, um die Raumwirkung zu erhöhen oder entfernte Szenerien räumlich abzubilden.

Ausschlaggebend für die Ermittlung der Aufnahme-Basis ist immer die Entfernung zum nächsten Motiv-Element, dem Nahpunkt. Nichts im Bildfeld darf noch näher sein als das eigentliche anvisierte Objekt. Vor allem aber dürfen nahe Gegenstände den Bildrand nicht berühren oder schneiden.

Beträgt beispielsweise die Distanz zum Nahpunkt 1m, so muß der Basisabstand nach obiger Festlegung auf 2cm reduziert werden. Umgekehrt kann die Basis auf 40cm vergrößert werden, wenn ein weit entferntes Motiv mit den nahesten Ausläufern nicht näher als etwa 20m ist.

Es gilt als Anhaltswert: Basis in cm = 2 x Entfernung zum Nahpunkt in m   (mathematisch nicht korrekt, aber wertmäßig verwendbar)

Es soll hier nochmals ausdrücklich festgehalten werden, daß diese Angaben nur sehr grobe Richtwerte sind, die es Anfängern ermöglichen sollen, rasch zu brauchbarem Bildmaterial zu kommen. Auf diese Weise erhält man aber Stereohalbbilder, die bei geeigneter Präsentation eine angenehme Betrachtung ermöglichen.

Werden nur Nah- oder Makroaufnahmen gemacht, bei denen kein Fernpunkt im Bildausschnitt ist und die Tiefenerstreckung des Objektes nicht größer als die seitliche Ausdehnung ist, kann der Wert der Aufnahmebasis auch verdoppelt werden, bzw. sinngemäß auch die Aufnahmedistanz zum Nahpunkt halbiert werden.

Aufnahmeparameter

Bei der Photographie der Stereohalbbilder ist im besonderen darauf zu achten, daß alle photographischen Parameter in beiden Halbbildern gleich sind: das ist die Belichtungszeit, die Blende, aber auch der ISO / ASA / DIN-Wert der Empfindlichkeit des Filmes oder Sensors. Die korrekte Scharfstellung braucht nicht extra betont zu werden, ebenso sollte auch die Zoom-Einstellung gleich sein. (Bei Digitalbildern ist dies aber nicht so streng zu sehen, da die Geometrie noch nachträglich ausgeglichen werden kann, aber bei Analogbildern auf Film ist dies verpflichtend notwendig!) Eine zuverlässige Automatik in der Kamera wird hierbei reproduzierbare Ergebnisse liefern, anderfalls sollten auch durchaus manuelle Einstellungen getätigt werden, sofern das die Kamera zuläßt.

Schließlich sollte man auch darauf Bedacht nehmen, die Kamera bei beiden Aufnahmen gerade zu halten, nicht zu verkanten, verdrehen oder schwenken, sondern einfach möglichst parallel zu verschieben. Auch wichtig ist die gleiche Höhenlage - es sollte nicht ein Bild höher und das andere von einer tieferen Position aufgenommen werden, denn ein solcher Fehler ist nicht mehr korrigierbar.

Je sauberer und sorgfältiger die Halbbilder photographiert werden, desto weniger Nachjustierung wird anfallen und bessere Ergebnisse können erzielt werden.

Bei der Verwendung von Stereokameras mit zwei Objektiven ist von Hochformataufnahmen dringend abzuraten, da diese stereoskopisch nicht verwendbar sind.

Stereobildjustierung

Nachdem die Bilder digital oder analog vorliegen, muß man sie justieren, um Bildstandsfehler von der Aufnahme ausgleichen zu können: alle korrespondierenden Bildpunkte in L und R müssen auf gleicher Höhe liegen. Dias werden im Rähmchen verschoben, Bilder am Rand zugeschnitten. Man orientiert sich bei der seitlichen Ausrichtung am photographierten Nahpunkt, der dann zu den Bildrändern im linken und rechten Halbbild den gleichen Abstand haben sollte. Dies bewirkt, daß das Motiv bei der Betrachtung wie durch einen Fensterrahmen erscheint, hinter dem sich das Motiv erstreckt.

Bei digitalen Bilddateien übernimmt das Justieren ein Computerprogramm, wo die beiden Halbbilder zueinander optimal ausgerichtet werden und vielfältige Betrachtungs- und Präsentationsmethoden zur Verfügung stehen.

Ein kostenloses aber sehr leistungsfähiges Programm ist der Stereo Photo Maker (SPM). Laden Sie die beiden Stereohalbbilder L und R, wählen das Darstellungsverfahren und drücken Auto-Justage. In Sekundenschnelle werden die beiden Bilder optimal zueinander ausgerichtet. Zum Abspeichern verwendet man am besten das Nebeneinander-Format (Side-by-Side (SBS)), hierbei werden die beiden Halbbilder nebeneinanderstehend in einer Bilddatei gespeichert. Das hat den Vorteil, daß später nur mehr mit jeweils einer (Stereo-)Bilddatei in einem Ordner hantiert werden muß. Auch eine allenfalls notwendige Bildnachbearbeitung braucht nur einmal durchgeführt zu werden. Eine spätere Präsentation geschieht dermaßen, daß auf das SBS-Bild zugegriffen wird und dieses in Echtzeit in das jeweils gewünschte Ausgabeformat oder -Verfahren konvertiert wird (z.B. in Rot/Cyan-Anaglyphen).